|
|
Yin-Yang-Naturphilosophie Thai-Kih-Thu Des
Tscheu-Tsï Tafel des Urprinzipes Die
Tafel des Urprinzipes Tscheu-tsï hat sie
verfasst, Tschu-tsï sie erläutert. Einleitung. Tschu-tsï sagt: Aus dem Ho kam eine Tafel hervor:
da wurden die acht Kua gezeichnet; im Lŏ zeigte sich eine Schrift: da
wurden die neun Abtheilungen geordnet. Und
Khung-tsï, anlangend das Erstehen und Vergehen dieser Lehre: Alles schreibt
auch er dem Himmel zu. Seit
die Tscheu (-Dynastie) untergegangen und Meng-kho gestorben war, wurde die
Ueberlieferung dieser Lehre nicht fortgesetzt. Als
man weiter von Thsin bis Han gelangt, die Tsin, Sui und Thang vorübergehen
gelassen, so dass man zu unsrer (Dynastie) Sung gelangt war, und die fünf
Planeten, im (Sternbilde) Khuei zusammengetreten, in Wahrheit ein Zeitalter der
Wissenschaft und Aufklärung eröffnet hatten: da erstand der Weise. Nicht
mit Hülfe der Ueberlieferung eines Lehrers erfasste er innerlich das Wesen der
Lehre, stellte er die Tafel her, knüpfte er daran Schriften, machte (in diesen)
das Prinzip zum Ausgangspunkte und nahm das Wichtigste auf. Der ihn damals
gesehen und kennen gelernt hat, war Tschheng-tsï. Darauf
verbreitete man sie sehr und erklärte sie einzeln. So wurden die Tiefen der
himmlischen Vernunft, das Offenbare der menschlichen Pflichtverhältnisse, die
Masse der Dinge und Wesen, die Geheimnisse der Dämonen und Geister ausnahmslos
klärlich ganz von Einheit durchdrungen und des Tscheu-kung, des Khung-tsï und
des Meng-tsï Ueberlieferungen kamen glänzend wieder an's Licht zu jener Zeit. Ausdauernden
Gelehrten gelang es sie zu ergründen, ihnen nachzugehen ohne das Richtige zu
verfehlen, ähnlich denen, die vor den drei Dynastien geboren waren. O, wie
erhaben! Wem
es der Himmel nicht beschieden: wer könnte dessen theilhaftig werden? Auch
sagt man: des Weisen Doctrin, – ihr Geheimniss ist erschöpft durch die eine
Tafel des Urprinzipes; des Thungschu Worte sind gleichfalls sämmtlich Tiefen
jener Tafel. Und
wenn die weisen Brüder Tschheng auf Natur und Schicksal zu reden kamen, so
geschah dies nie anders als dessen Aussprüchen gemäss. Wenn
man das Thung-schu Capitel ›Wahrheit, Bewegung, Ruhe, Vernunft, Natur,
Schicksal‹ u.s.w., dann das von Tschheng-tsï geschriebene Li-tschung-
thung-ming, des Tschheng-schao-kung Erzählungen, des Yan-tsï Abhandlung von
der Liebe zum Studium u.s.w. betrachtet, so kann man (das) erkennen. Indem
Phan-thsing-i (?), von den Gräbern der Weisen erzählend, die (von ihnen)
verfassten Bücher aufführt, macht er geflissentlich die Abfassung der Tafel
des Urprinzipes zum ersten Gegenstande seines Lobes. Sonach
muss man diese Tafel für die erste unter den Schriften des Weisen halten, –
das steht ausser Zweifel. Nun
aber hat sie der Weise den beiden Tschheng mit der Hand übergeben, und weil (diese)
sie hinten an das Buch anfügten, haben die Ueberlieferer, sehend dass dem so
war, darauf hin irrigerweise die Tafel für das Schlusscapitel des Buches
gehalten, und nicht das Richtige wieder hergestellt. Dies
bewirkte, dass die tiefsinnigen Andeutungen, in welchen der Weise das Bild
vorgezeichnet (?) und den Gedanken erschöpft hatte, verdunkelt statt beleuchtet
wurden. Und die, welche unbedacht das Thung-schu lasen, wussten ihrerseits
nicht, dass es einen Gesammtinbegriff gebe. Daher der Irrthum in den Büchern. Auch
wenn man des inneren Han-lin Tschu (Buch) Tschen – tsin – i – schueh –
piao liest, (so findet man) dass er angiebt, diese Tafel sei von Tschhen –
thuan, Tschhung-fang und Mu-siu auf uns überliefert. Aber
U-fung und Hu, indem sie die Vorrede schrieben, sagen gleichfalls, der Weise
habe nicht nur des Tschhung (-fang) und des Mu (-siu) Lehre getrieben; – dies
allein wäre blos ein Nachahmen ihrer Lehre, nicht deren Höhepunkt gewesen. Das
Geheimniss der Lehre des Weisen geht nicht über diese Tafel hinaus. Sagt
man, er habe sie von Anderen empfangen, so würde er gewiss noch nicht an
Tschhung und Mu heranreichen; sagt man, sie wäre nicht deren Höhepunkt, wie könnte
dann des Weisen Lehre diese Tafel übertreffen? Daher
habe ich früher (zwar) darüber Zweifel gehegt, dann aber die historischen
Nachrichten erhalten und sie geprüft und darnach erkannt, dass sie wirklich des
Weisen eigenes Werk ist und er sie nicht von Anderen empfangen hat. Die
beiden Kung, weil sie diese Nachrichten nicht gesehen hatten, haben nur so hin
gesprochen.
§ 1 Ohne Prinzip dabei
Urprinzip. Des
hohen Himmels Werke sind ohne Ton und ohne Geruch, und doch wahrhaftig des
Entstehens und Vergehens Axe und Knotenpunkt, jedes Dinges Wurzel und Ursprung. Deshalb
heisst es: ›ohne Prinzip, dabei Urprinzip‹. Ausser
dem Urprinzipe giebt es nichts mehr, was ohne Prinzip wäre. § 2 Das Urprinzip bewegt sich, da erzeugt es Yang. Am
Ziele der Bewegung (angelangt) ruht es. Es ruht, da erzeugt es Yen. Am Ziele der Ruhe (angelangt), bewegt es sich von
neuem. Bald bewegt, bald ruhend, – Eins ist des Andern Ursache. Yen gesondert,
Yang gesondert, so stehen die beiden Grundformen fest. Dass
das Urprinzip Bewegung und Ruhe hat, ist Wirkung der himmlischen Bestimmung. Dies
besagt: bald Yen bald Yang, das nennt man die Norm. Wahrhaftigkeit
ist das Fundament des heiligen Menschen, Ende und Anfang der Dinge und Norm des
Schicksals. Seine
Bewegung ist das Durchdringen der Wahrhaftigkeit; sie fortsetzen ist Güte: das
womit alle Dinge anfangen. Seine Ruhe ist die Wiederherstellung der
Wahrhaftigkeit; ihre Verwirklichung ist Natur: alle Dinge insgemein
rechtfertigen ihre Natur und Bestimmung. Am
Ziele der Bewegung ruht es; am Ziele der Ruhe bewegt es sich wieder. Bald
Bewegung, bald Ruhe, – Eins ist des Anderen Ursache. Das Schicksal wirkt somit
ohne Unterlass.
Es bewegt sich, da zeugt es Yang, es ruht, da zeugt es Yen. Yen
gesondert, Yang gesondert, stehen die beiden Grundformen fest. Die Trennung ist
somit, – einmal hergestellt, – unveränderlich. Denn
das Urprinzip ist das ursprüngliche Wunderbare, Bewegung und Ruhe sind die
Mittel, deren es sich bedient. Das
Urprinzip ist hinsichtlich der Erscheinungen oberste Norm; Yen und Yang sind
hinsichtlich der Erscheinungen unterste Anlagen. Daher
wenn wir seine Offenbarungen betrachten, so haben Bewegung und Ruhe nicht
gleiche Zeiten, Yen und Yang nicht gleichen Standpunkt; dabei ist das Urprinzip
allgegenwärtig. Wenn
wir seinen verborgenen Inhalt betrachten, so ist es dunkel und planlos; dabei
ist die Vernunftmässigkeit der Bewegung und Ruhe, des Yen und Yang schon ganz
enthalten in ihm. Gleichwohl,
untersuchen wir es nach vorn, so sehen wir nicht sein anfängliches Vereintsein;
verfolgen wir es nach hinten, so sehen wir nicht sein endliches Auseinandergehen. Daher
sagt Tschheng-tsï: ›Bewegung und Ruhe sind ohne Ursprung, Yen und Yang ohne
Anfang‹. Wer, der die Norm nicht kennt, vermag dies zu erkennen? § 3 Yang verändert sich, Yen gesellt sich hinzu: so
erzeugen sie Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde, die fünf Wetterarten
vertheilen sich entsprechend, die vier Jahreszeiten wandern. Es
existirt das Urprinzip; bald bewegt es sich, bald ruht es: so werden die beiden
Grundformen geschieden. Es existiren Yen und Yang; bald verändern, bald
gesellen sie sich: so werden die fünf Elemente geordnet. Aber
die fünf Elemente sind es, deren Materie auf Erden vorhanden, deren Odem
dagegen im Himmel wirksam ist. Nehmen
wir den Stoff und sprechen wir von der Ordnung ihres Entstehens, so sagen wir:
Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde; und Wasser und Holz sind Yang, Feuer und
Metall Yen. Nehmen
wir den Odem und reden wir von der Ordnung seines Wirkens, so sagen wir: Holz,
Feuer, Erde, Metall und Wasser; und Holz und Feuer sind Yang, Metall und Wasser
Yen. Wiederum,
spricht man vom Ganzen (selbst), so ist Odem Yang, und Materie Yen; und wiederum,
spricht man von der Anwendung, so ist Bewegung Yang, und Ruhe Yen. Denn
der fünf Elemente Veränderungen sind nahezu unerschöpflich. Aber
nichts geschieht wider die Norm des Yen und Yang; und anlangend das, wornach
diese (Norm) Yen oder Yang werden lässt, so geschieht es nicht anders als auf
Grund des Urprinzipes. Wie
wäre daher etwas unvollkommen, mangelhaft, zerstückt oder unterbrochen?
§ 4 Die fünf Elemente sind, vereinigt, Yen und Yang;
Yen und Yang sind, vereinigt, das Urprinzip; das Urprinzip ist ursprünglich
ohne Prinzip. Die fünf Elemente haben bei ihrer Entstehung ein Jedes seine
Natur. Sind
die fünf Elemente vollständig, so sind der Anlage nach die Mittel des
Schaffens und Erhaltens ausnahmslos vorhanden. Daher
auch, geht man dem auf den Grund, dadurch erhellt, dass sie insgesammt eines
Wesens sind, dass sie nichts wären ohne das Wunder dessen was kein Prinzip hat,
und dass das Wunder dessen was kein Prinzip hat, auch ausnahmslos in jeder Sache
ganz enthalten ist. Denn
haben auch die fünf Elemente verschiedenen Stoff, die vier Jahreszeiten
verschiedenen Odem, so können sie doch alle nicht aus Yen und Yang heraustreten;
haben auch Yen und Yang verschiedenen Standpunkt, Bewegung und Ruhe verschiedene
Dauer, so können sie sich doch alle nicht vom Urprinzipe entfernen. Anlangend
nun das was man das Urprinzip nennt, so kann man es auch als das von Anbeginn
Ton- und Geruchlose bezeichnen; dies ist das ursprüngliche Wesen der Natur. Wie
gäbe es in der Welt aussernatürliche Dinge? Aber
die fünf Elemente sind bei ihrer Entstehung zufolge Odem und Stoff hinsichtlich
ihrer Begabung nicht gleich. Das wird ausgedrückt: jedes hat seine eigene Natur. Hat
jedes seine eigene Natur, so ist überhaupt des Urprinzipes ganzes Wesen
durchaus in jeder einzelnen Sache enthalten, so dass die Allgegenwart der Natur
gleichfalls ersichtlich ist. § 5 Die Wahrheit dessen, was kein Prinzip hat, der Zwei
und der Fünf Wirkungskraft vereinigen sich wunderbar und gerinnen: des Khian
Norm ist das Männliche, des Khun Norm ist das Weibliche; die beiden Odem
erregen einander, durch Veränderung erzeugen sie alle Dinge; alle Dinge
entstehen durch Erzeugung: so ist Wechsel und Veränderung endlos. Also
in der Welt giebt es kein aussernatürliches Ding: somit ist die Natur allgegenwärtig.
Darin beruht, dass das, was kein Prinzip hat, die Zwei und die Fünf sich
vermischen und verbinden ohne Unterbrechung. Das nennt man die wunderbare
Vereinigung. Unter
›Wahrheit‹ ist Vernunft gemeint, das heisst: ohne Verwirrung. Unter
›Wirkungskraft‹ ist Odem gemeint; das sind Namen für nicht Zweierlei.
›Gerinnen‹ ist sich sammeln: der Hauch sammelt sich, da wird er Gestalt. Denn,
wenn die Natur das Herrschende ist, und Yen und Yang gleich Aufzug und Einschlag
sich zusammenfügen, so gerinnt und sammelt sich Jedes seiner Art gemäss und
wird Gestalt. Die
Stärke am Yang ist das Männliche, also des Vaters Norm; die Gefügigkeit am
Yen ist das Weibliche, also der Mutter Norm. Diese sind die bei Beginn der
Menschen und Dinge durch den Wechsel des Odems Entstandenen. Der
Odem sammelt sich und wird Gestalt; also treten Gestalt und Odem in
Wechselwirkung; und folglich, indem sich die Gestalten verändern, entstehen
Menschen und Dinge durch Erzeugung, und Wechsel und Veränderung sind endlos. Betrachtet
man das Männliche und das Weibliche, so haben das Männliche und das Weibliche
jedes seine Natur, allein das Männliche und das Weibliche, sind, vereint, das
Urprinzip. Betrachtet man alle Dinge, so hat jedes Ding seine eigene Natur,
allein alle Dinge sind, vereint, das Urprinzip. Denn
spricht man vom Ganzen, so sind alle Dinge nach ihrem gemeinsamen Wesen, vereint,
das Urprinzip: spricht man von den Einzelnen, so enthält jedes Ding ganz das
eine Urprinzip. Das
heisst: in der Welt ist kein aussernatürliches Ding, sondern die Natur ist
allgegenwärtig; darin kann man die Vollkommenheit desselben um so mehr
erkennen. Tsï-ssï-tsï
sagt: ›der Edle spreche von Grossem, – die Welt kann es nicht umfassen, er
spreche von Kleinem – die Welt kann es nicht zerstückeln‹. Das besagt
dasselbe. § 6 Allein der Mensch, erreicht er dessen Vollendung,
ist vollkommen geisteserfüllt; die Gestalt hat sich gebildet, der Geist schafft
Wissen, die fünf Naturen erregen und bewegen sich, da unterscheiden sich Gut
und Böse und die verschiedenen Handlungsweisen treten hervor. Das
besagt: alle Menschen enthalten das Vernunftprinzip der Bewegung und Ruhe,
allein stets verfehlen sie es in der Bewegung. Denn Menschen und Dinge besitzen
bei ihrer Entstehung sammt und sonders die Norm des Urprinzipes. Nun
aber wechseln Yen und Yang und die fünf Elemente nach Odem und Materie
untereinander ab; aber des Menschen Begabung allein erreicht deren Vollendung.
Dadurch wird sein Herz vollkommen geisteserfüllt und befähigt die Vollendung
seiner Natur nicht zu verfehlen. Das
heisst: des Himmels und der Erde Herz, dabei des Menschen Prinzip. Nun aber
entsteht die Gestalt aus Yen, und der Geist entspringt aus Yang; die Natur der fünf
Haupttugenden wird durch Berührung der Dinge bewegt: so ist Yang gut und Yen
schlecht; auch nach der Art sind sie verschieden. Die
Verschiedenheit aber der fünf Naturen macht durch Vertheilung die verschiedenen
Thätigkeiten. Denn die zwei Odem und die fünf Elemente erzeugen durch Veränderung
alle Dinge, und ihr Verhalten im Menschen ist dem entsprechend. Gesetzt,
es würde nicht des heiligen Menschen ganzes Wesen vom Urprinzipe bestimmt, so würden
Gelüste sich regen, Leidenschaften obsiegen, Uebervortheilung und Unterdrückung
wetteifern, des Menschen Prinzip stände nicht fest, und er wäre nicht weit
entfernt von den Vögeln und Vierfüsslern. § 7 Der heilige Mensch richtet sich nach der
Mittelstrasse, Rechtschaffenheit, Wohlwollen und Aufrichtigkeit; macht dabei die
Ruhe zur Hauptsache ... und stellt des Menschen Prinzip fest. Daher vereinigt
der heilige Mensch mit Himmel und Erde seine Tugend, mit Sonne und Mond seine
Klarheit, mit den vier Jahreszeiten seine Ordnung, mit Dämonen und Geistern
sein Glück und Missgeschick. Des
heiligen Menschen Norm besteht lediglich in Wohlwollen, Aufrichtigkeit;
Mittelstrasse und Rechtschaffenheit. Er
ist ohne Gelüste, daher ruhig. Dies
besagt: der heilige Mensch erfüllt die Tugend der Bewegung und Ruhe, aber meist
gründet er sie auf die Ruhe. Denn der Mensch hat des Yen und Yang und der fünf
Elemente feinen Odem empfangen von seiner Geburt her. Aber
der heilige Mensch empfängt bei seiner Geburt auch das Feinste ihres Feinen;
daher ist sein Handeln mittelwegig, sein Verhalten recht, seine Aeusserungen
sind wohlwollend, seine Anordnungen billig. Denn
ob er sich bewege, ob er ruhe, immer erfüllt er des Urprinzipes Norm, und in
nichts kann er fehlen. Wenn
also vorhin gesagt wurde, Gelüste würden sich regen, Leidenschaften obsiegen,
Uebervortheilung und Unterdrückung wetteifern, so wird dies hiermit bestätiget. Nun
aber ist die Ruhe als Wiederherstellung der Wahrheit die Thatsächlichkeit der
Natur. Wenn nicht dies Herz in Stille und ohne Gelüste ruhig wäre, wie sollte
es dann (auch) dem Wechsel der Ereignisse und Dinge entsprechen und so die
Bewegung der Welt vereinigen? Darum,
indem des heiligen Menschen Mässigung, Rechtschaffenheit, Wohlwollen und
Billigkeit sich bei Bewegung und Ruhe ringsum verbreiten, ist doch seine
Bewegung nothwendig von Ruhe beherrscht. Indem
er nun ganz Stellung in der Mitte nimmt, können Himmel und Erde, Sonne und
Mond, die vier Jahreszeiten, Dämonen und Geister ihm nicht widerstehen. Denn
sicherlich, steht das Wesen fest, dann kann die Bethätigung erfolgen. Wenn
Tschheng-tsï, von des Khian und des Khun Bewegung und Ruhe redend, sagt:
›Widmet man sich nicht Einem allein, so kann man nicht zum Ziele kommen,
sammelt man sich nicht, so kann man sich nicht entfalten‹: so ist dies auch
nur derselbe Gedanke. § 8 Der Edle, es pflegend, ist glücklich; der niedre
Mensch, ihm widerstehend, ist elend. Der
heilige Mensch ist die völlige Verkörperung des Urprinzipes; ob er sich bewege,
ob er ruhe, in keiner Lage ist er anders als auf der Höhe der Mittelstrasse,
der Rechtschaffenheit, des Wohlwollens und der Aufrichtigkeit. Denn nicht durch
Verstellung oder Kunst ist er so, sondern von selbst. Ehe
es erreicht es pflegen, – dadurch ist der Edle glücklich; ohne es zu kennen
ihm widerstehen, – dadurch ist der niedre Mensch elend. Es pflegen oder ihm
widerstehen, das beruht auf dem Unterschiede zwischen Achtsamkeit und Trägheit
allein. Ist
man achtsam, so werden die Gelüste schwach und die Vernunft klar. Das Schwache
wird durch weitere Verringerung zu nichts: dann ist die Ruhe leer und die
Bewegung gerade, und so kann dem heiligen Menschen nachgestrebt werden.
§ 9 Darum heisst es: stellt man des Himmels Norm auf,
so spricht man von Yen und Yang; stellt man der Erde Norm auf, so spricht man
von Mild und Streng; stellt man des Menschen Norm auf, so spricht man von
Wohlwollen und Billigkeit. Auch heisst es: den Anfang ermitteln, das Ende erwägen,
dadurch erkennt man des Sterbens und Lebens Verlauf. Yen
und Yang erhalten Gestalt, dadurch wird des Himmels Norm aufgestellt; Streng und
Mild erhalten Materie, dadurch wird der Erde Norm aufgestellt; Wohlwollen und
Billigkeit erhalten Beständigkeit, dadurch wird des Menschen Norm aufgestellt. Die
Norm ist nur eine. Sofern sie sich hinsichtlich des Ortes offenbart, besteht der
Unterschied der drei Mächte; allein innerhalb dieser hat wiederum Alles
Verschiedenheit des Wesens und der Function. Ihr
Verhalten folgt dem einen Urprinzipe. Yang, Strenge, Wohlwollen sind der Dinge
Anfang; Yen, Milde, Billigkeit sind der Dinge Ende. Man
kann ihren Anfang ermitteln und so erkennen wodurch sie entstehen, also auch ihr
Ende erwägen und so erkennen wodurch sie untergehen. Sie sind zwischen Himmel
und Erde Aufzug und Einschlag, Werden und Wechsel. Sie breiten sich aus ehemals
und noch, ein unaussprechliches Wunder. Heilige Männer verfassten das I (-king); sein grosses Denken geht nicht darüber hinaus. Darum führt er es an um seine Darlegungen zu bekräftigen. §
10 Gross ist das I (-king), – ja, es ist vollendet! Das
I ist ein umfassendes und grosses, ganzes und vollständiges Buch. Aber er sagt,
dasselbe erreiche den Gipfel. Offenbar erschöpft diese Tafel dasselbe. Ist ihr
Sinn nicht tief? Auch
habe ich gehört, wenn die Brüder Tschheng- tsï bei Tscheu-tsï Unterricht
empfingen, so gab Tscheu-tsï ihnen mit der Hand diese Tafel. Was
Tschheng-tsï von der Natur und des Himmels Norm redet, geht grösstentheils von
ihr (der Tafel) aus. Allein
deutlich hat er diese Tafel den Menschen am Ende doch nicht erklärt; sie hat
also gewiss einen verborgenen Sinn. Die Studirenden dürfen sie gleichfalls
nicht ignoriren. Als
Anhang: Tschu-tsï's
Auseinandersetzungen über das Urprinzip. Bewegung und Ruhe sind ohne Ursprung, Yen und Yang
ohne Anfang: das ist des Himmels Norm. Anfangen bei Yang, vollenden mit Yen,
wurzeln in Ruhe, sich ausbreiten in Bewegung, ist des Menschen Norm. Nun
aber wurzelt Yang wieder im Yen, gründet die Ruhe sich wieder auf Bewegung.
Sein Bewegen und Ruhen ist also auch ohne Ursprung; (sein) Yen und Yang auch
ohne Anfang. Also ist der Mensch nicht von Anbeginn verschieden vom Himmel, und
der Himmel auch nicht von Anbeginn verschieden vom Menschen. Das
Hauptsächliche, Allgemeine, das Durchdringen der Wahrheit ist Bewegung. Das
Angemessene, Tüchtige, die Herstellung der Wahrheit ist Ruhe. Das Hauptsächliche
ist der Bewegung Ausgangspunkt, es wurzelt in der Ruhe. Das Tüchtige ist der
Ruhe Substanz, es offenbart sich in der Bewegung. Bald
Bewegung bald Ruhe, der Kreislauf hat kein Ende; aber die Tüchtigkeit ist es,
durch die alle Dinge das Ende erfüllen und den Anfang erfüllen. Daher der
Mensch, wiewohl er nicht bewegungslos sein kann, doch, stellt er das Prinzip des
Menschen auf, nothwendig die Ruhe zur Hauptsache macht. Allein, macht er die
Ruhe zur Hauptsache, so wird er, offenbart er sie in der Bewegung, stets die
(rechte) Gelegenheit treffen und also nicht seine ursprüngliche Ruhe verlieren. Die
Ruhe ist es, wodurch die Natur feststeht; die Bewegung ist es, durch welche das
Schicksal wirkt. Nun aber ist thatsächlich die Ruhe auch nur ein Aufhören der
Bewegung. Daher ob Bewegung, ob Ruhe, – Beides ist Wirkung des Schicksals; und
was Bewegung und Ruhe bewirkt, ist das wahre Wesen der Natur. Daher sagt man:
des Himmels Schickung heisst Natur. Natur,
in welcher sich die Neigungen noch nicht geäussert, nennt man Mittelstrasse,
das grosse Fundament der Welt. Die Neigung, in welcher die Natur sich geäussert
hat, trifft ganz die (rechte) Gelegenheit; sie nennt man Harmonie, der Welt
allgemeine Norm. Dies
Alles ist der himmlischen Vernunft spontan. Ein Herz das die Tugend der Natur
und Neigung vollkommen macht, vollendet dadurch die Mittelstrasse und Harmonie,
stellt das grosse Fundament fest und schafft so die allgemeine Norm. Das ist der
himmlischen Vernunft Meister. Wenn
die Ruhe Alles umfasst, so ist die Natur mittelwegig, still und unbeweglich.
Wenn die Bewegung überall die Mitte einhält, so erhalten die Neigungen, geäussert,
ihre Angemessenheit, erregt sind sie erfolgreich. In
der Ruhe stets achtsam sein, in der Bewegung stets einhalten, ist des Herzens
Vollkommenheit: still, dabei erregt, – erregt, dabei still. [Chinesische Philosophie: Asiatische Philosophie - Indien und
China, S. 28434]
|
|
canandanann 04-03-06
|