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Ba Lan / Die acht Betrachtungen
Buch
XIII / Yu Schï Lan - Die Betrachtung über die Anfänge
Die
Anfänge / Yu Schï
Himmel und Erde haben einen Anfang. Der Himmel ist
unsichtbar und zeugt, die Erde ist sichtbar und gestaltet. Die Vereinigung und
Harmonie von Himmel und Erde ist der große Weg zu allem Entstehen. Das kann man
an Kälte und Hitze, Sonne und Mond, Tag und Nacht sehen, an den verschiedenen
Gestalten, verschiedenen Fähigkeiten, verschiedenen Anpassungen erklären. Wenn
die Einzelwesen sich vereinigen, so zeugen sie; trennen sie sich wieder, so
erfolgt die Geburt. Wer die Vereinigung erkennt, kennt das Gesetz der Zeugung;
wer die Trennung versteht, kennt das Gesetz der Geburt; dann befinden sich
Himmel und Erde im Gleichgewicht. In diesem Gleichgewichtszustand entspricht
alles seiner eigentlichen Natur und zeigt seine eigentliche Gestalt. Der
Himmel hat neun Felder, die Erde hat neun Bezirke, das Land hat neun Berge, die
Gebirge haben neun Pässe, in den Seen gibt es neun Inseln. Vom Wind gibt es
acht Arten. Vom Wasser gibt es sechs Ströme.
Was
sind die neun Felder des Himmels?
Welches
sind die neun Bezirke?
Welches
sind die neun Berge? Es sind:
Welches
sind die neun Pässe? Es sind:
Welches
sind die neun Sümpfe? Es sind:
Welches
sind die acht Winde?
Welches
sind die sechs Flüsse? Es sind:
Das gesamte Gebiet innerhalb der vier Meere von Ost
nach West ist 28000 Li lang, von Nord nach Süd 26000 Li18. Die Wasserläufe
sind 8000 Li lang, die Gebiete, die Wasser aufnehmen, sind ebenfalls 8000 Li
lang. Durchgehende Täler gibt es sechs, berühmte Flüsse sechshundert. Bewässerungsläufe
3000, kleine Kanäle über 10000. Alles
Gebiet innerhalb der vier Weltpole ist von Ost nach West 597000 Li und von Nord
nach Süd ebenfalls 597000 Li lang. 18 Die
Sterne und der Himmel bewegen sich, aber der Himmelspol ändert seinen Ort
nicht. Zur Zeit der Wintersonnenwende geht die Sonne den entfernteren Weg über
alle vier Himmelspole, der da heißt dunkles Licht. Zur Zeit der
Sommersonnenwende geht die Sonne den näheren Weg und geht höher oben;
unterhalb des Angelpunktes ist dann Lichtwechsel von Tag und Nacht
19. Im Süden der weißen Rasse, unter den Hartholzbäumen, wirft die Sonne
am Mittag keinen Schatten – und der Laut gibt kein Echo –, das ist wohl die
Mitte des Himmels 20. Himmel,
Erde und alle Dinge sind gleichsam der Leib eines Menschen. Das heißt die Große
Gemeinsamkeit Die Vielheit dagegen sind die Ohren, Augen, Nasen, Münder, die
Vielheit sind die fünf Getreidearten, Hitze und Kälte. Diese heißen die
mannigfaltigen Verschiedenheiten. Auf diese Weise sind alle Dinge vollkommen.
Der Himmel erfüllt alle Dinge. Der Weise betrachtet sie, um ihre Arten zu
erkennen. Die Erklärung findet er in dem Umstand, daß Himmel und Erde die
Formen bereitet, daß Donner und Blitz erzeugend wirken. Die positive und
negative Kraft sind die materielle Unterlage für das seelische Leben aller
Wesen, worin Menschen und Tiere ihre Sicherheit haben. [Chinesische
Philosophie: Chunqiu - Frühling und Herbst des Lü Bu We. Asiatische Philosophie - Indien und China, S. 23750 (vgl.
Chunqiu, S. 157 ff.)]
Fußnoten 1 Der Osten
ist die Mitte
des Holzes. Die Farbe des Holzes ist grün, darum heißt der Himmel blau (blau
und grün wurden nicht unterschieden). 2 Der Nordosten
ist
das Ende des Wassers. Die Yin- Kraft geht zu Ende, die Yang-Kraft entsteht. Alle
Dinge beginnen zu entstehen, darum heißt es »der wechselnde Himmel«. 3 Der Norden
ist die
Mitte des Wassers. Die Farbe des Wassers ist schwarz. 4 Der Nordwesten
ist
das Ende des Metalls. Die Zeit wendet sich dem großen Yin-Prinzip zu, daher
dunkel. 5 Der Westen
ist die
Mitte des Metalls. Die Farbe des Metalls ist weiß. 6 Der Südwesten
ist
das Ende des Feuers, daher Scharlach. 7 Der Süden
ist die
Mitte des Feuers, daher Flammenhimmel. 8 Der Südosten
ist
das Ende des Holzes. Es wendet sich das Jahr zum großen Yang-Prinzip, daher
strahlend. 9 Es ist
bemerkenswert, daß trotzdem im Text die acht Himmelsrichtungen außer dem
Mittelhimmel genannt werden, im Kommentar nicht die 8 Zeichen des Buchs der
Wandlungen, sondern die vier Elemente (die mit Erde-Mitte die Fünfzahl bilden)
vorausgesetzt wurden. 10 Im Osten vom
Tsing
Ho bis zum westlichen (Gelben) Fluß im Westen. 11 Der Huang Ho kommt
aus dem Norden hervor, der Dsi Ho bildet seine Südgrenze. 12 Diese
Landeinteilung
führt nicht südlicher als die heutige Provinz Honan. Yü
Dschou, das Gebiet von (Ost) Dschou entspricht etwa der heutigen Provinz Honan.
Gi Dschou zwischen der Nord-Südwendung des Gelben Flusses und den alten neun
Strömen entspricht etwa Schansi und einem Teil von Dschïli. Yän Dschou
zwischen Gi Dschou und dem Dsi Fluß (Tsinanfu) entspricht etwa Westschantung.
Tsing Dschou ist etwa Ostschantung. Sü Dschou ist etwa Südschantung und
Nordkiangsu (bis zum Huaifluß). Yang Dschou ist das östliche Yangtsebecken.
Ging Dschou ist das mittlere Yangtsebecken und das Siangtal bis südlich von
Tschangscha. Yung Dschou ist das südliche Gebiet innerhalb der großen Schleife
des Gelben Flusses und was westlich davon liegt, bis nach Kansu und Sinkiang
hinein. Yu Dschou ist Norddschïli. Es tritt hier auf an Stelle des sonst im SW
erwähnten Bezirkes Liang Dschou, der den Oberlauf des Han und das Land südlich
bis zur Gegend von Tschongdu hin umfaßte. Es sind die alten Bezeichnungen aus
dem Schu Ging (Dschou) und die zur Tsinzeit üblichen nebeneinander gestellt. 13 Der Guai Gi-Berg
ist
im Süden des obengenannten Yang Dschou bei Hangtschou in Tschekiang. Der
Taischan ist im Westen Schantungs. Der Wang Wu- Berg (Wang Wu, Königsschloß)
ist ein Berg in Schansi an der Grenze von Honan. Der Schou Schan oder Schou Yang
Schan, wo Be I und Schu Tsi Hungers starben, liegt im Norden, in der Mitte der
Biegung des Huang Ho. Der Tai Hua oder Hua Schan ist der westliche der heiligen
Berge, und liegt in Schensi, Hua Yin Hiän. Der Ki Schan ist das Stammland der
Dschou-Dynastie, ganz im Westen. Der Tai Hang ist zwischen Dschïli und Honan.
Der Yang Tschang (Schafdarmberg, wegen seiner vielen Krümmungen) liegt nördlich
von Tai Yüan, Dsing Yang Hiän. Der Mong Men wird im Kommentar nicht erwähnt.
Nach anderen Quellen bildet er die Grenze des Tai Hang. 14 Da Fen im alten
Staate Dsin, vermutlich am Fen Ho. Ming O, Ging Yüan, Fang Tschong sind dem
Kommentar nach alle in Tschu gelegen. Hiau wird bei Huai Nan Dsï Hiau Ban
genannt. Dsing Hing im Tschang Schan (Tai Yüan) Bezirk, Ling Tsï nach Huai Nan
Dsï in Liau Si, Gou Dschu am Yän Men (Wildganstor), Gü Yung in Schang Gu
westlich von Gou Dschu. 15 Gü Kü liegt
zwischen Wu und Yüo, Yün Mong im Südbezirk in Hua Yung, Yang Hua in Fong
Tsiang oder nach andern westlich von Hua Yin. In Da Lu hatte seinerzeit Hiän Dsï
von We gejagt, es ist dasselbe wie Hua Yung in Tschu. Pu Tiän südlich vom
Huang Ho in Dschung Mou. Mong
Dschu im späteren Staate Liang im SO von Sui Yang. Hai Yü ist wohl die Kiau Lai-Ebene, wörtlich
Meeresufer. Gü Lu ist soviel wie Guang O Tse. Da Dschau ist die Ebene um Tai Yüan. 16 Die Winde sind
hier nach der Anordnung des sogenannten Hou Tiän Tu auf die acht Diagramme
zurückgeführt.
17 Der Ho oder
Gelbe Fluß entspringt im Nordosten des Kun-Lun-Gebirges, das Rote Wasser
entspringt im Südosten davon. Der Liaufluß durchfließt die Mandschurei östlich
von der großen Mauer bis zum Westen der Halbinsel Liautung. Das Schwarze Wasser
entspringt im Nordwesten des Kun-Lun (Mekong). Der Yangtsekiang ist der bekannte
Fluß Mittelchinas. Der Huai mündet südlich von Schantung. Von den im Yü Gung
angegebenen neun Strömen 1. Jo-Schui,
2. He-Schui, 3. Ho, 4. Han, 5. Giang, 6. Dsi, 7. Huai, 8. We, 9. Lo fehlen 1.
Jo-Schui, das Schwache Wasser, ferner die Nebenflüsse des Ho und Giang, 4. Han,
8. We, 9. Lo, ferner der 6., Dsi. Gemeinsam sind beiden Aufzählungen: He-Schui, Ho, Giang, Huai. Zugefügt
gegenüber dem Yü Gung sind: Das Rote Wasser und der Liau Ho. Das deutet auf
eine Verschiebung des Kreises der bekannten Gegenden nach Osten hin. 19 Es handelt
sich hier wohl um eine Andeutung der Mitternachtssonne in den Gegenden des
Polarkreises. 20 Es ist dieser
Satz, in den der Satz vom Laut ohne Echo wohl erst später der Symmetrie
wegen einge [Chinesische
Philosophie: Chunqiu - Frühling und Herbst des Lü Bu We. Asiatische Philosophie - Indien und China, S. 23782
(vgl. Chunqiu, S. 175 ff.)]
Beschränkung
aufs Eigene selbst / Bi Gi
Die Außendinge69 lassen sich nicht zwingen;
einerseits wurde Lung Pang hingerichtet, Bi Gan geschlachtet, Gi Dsï mußte
sich wahnsinnig stellen, auf der anderen Seite aber starb auch O Lai, und Giä
und Dschou Sin gingen zugrunde70. Alle Fürsten wünschen es, daß ihre Beamten
treu sind; aber wenn sie treu sind, so trauen sie ihnen doch nicht immer. So kam
es, daß Wu Yüan71 im Yangtse-Giang ausgesetzt wurde und Tschang Hung72 starb,
dessen Blut drei Jahre lang aufbewahrt sich in grünen Edelstein verwandelte.
Alle Väter wünschen es, daß ihre Söhne ehrfurchtsvoll seien; aber solche Söhne,
die es sind, finden nicht immer die verdiente Zuneigung. Darum kam Hiau I in
ungerechten Verdacht und Dsong Schen hatte vielen Kummer73. Dschuang
Dsï ging einst im Gebirge spazieren74. Da sah er einen Baum, der war sehr schön
und groß mit dicken Ästen und voll üppiger Blätter. Ein Holzfäller stand
daneben und nahm ihn nicht. Er fragte nach dem Grund. Da sprach jener: »Er hat
nichts Brauchbares an sich.« Da sprach Dschuang Dsï: »Dem gelingt es, durch
seine Untauglichkeit seines Lebens Jahre zu vollenden.« Als
er aus dem Gebirge herauskam, erreichte er eine Stadt und kehrte im Hause eines
alten Bekannten ein. Der alte Bekannte war erfreut und brachte Wein und Fleisch
herbei und ließ seinen Knaben für ihn eine Gans schlachten, um sie ihm
aufzuwarten. Der Knabe fragte: »Eine der Gänse kann schreien, die andere kann
nicht schreien, welche soll ich töten?« Der Vater des Hausherrn sprach: »Schlachte
die, die nicht schreien kann.« Des
andern Tags fragten den Dschuang Dsï seine Jünger und sprachen: »Dem Baum im
Gebirge ist es infolge seiner Untauglichkeit gelungen, seines Lebens Jahre zu
vollenden, die Gans des Gastfreundes aber hat es mit dem Leben büßen müssen,
daß sie untauglich war. An welcher Stelle möchtet ihr nun stehen, Meister?« Dschuang
Dsï lächelte und sprach: »Ich möchte in der Mitte zwischen Tauglichkeit und
Untauglichkeit stehen. Wer nur scheinbar das erreicht hat, in Wirklichkeit aber
noch nicht, der ist nicht sicher, Verwicklungen zu entgehen. Anders der, der
Sinn und Leben versteht, der bleibt frei von Lob und Tadel. Er ist bald Drache,
bald Schlange, er wandelt sich mit der Zeit und ist allem einseitigen Tun
abgeneigt; bald oben, bald unten: wie es das innere Gleichgewicht erfordert. So
schwebt er empor zum Urahn der Welt. Er behandelt die Welt als Welt, aber läßt
sich nicht von der Welt behandeln. Wie sollte es möglich sein, ihn in
Verwicklungen hineinzuzerren75?« Das
ist das Ideal, dem Schen Nung und Huang Di nachgestrebt. Ganz anders dagegen ist
es mit den Verhältnissen der Welt und den Beziehungen der Menschen. Hier gilt
es:
Was vollendet ist, wird verderben,
Was groß ist, wird verfallen,
Was scharf ist, wird schartig werden,
Was hoch ist, wird erniedrigt werden,
Was gerade ist, wird krumm werden,
Was vereint ist, wird getrennt werden,
Was geliebt ist, wird vernichtet werden,
Wer vieles weiß, wird angefeindet werden,
Wer untauglich ist, wird betrogen werden76. Alles ist dem Zufall unterworfen. Niu
Küo77 war ein großer Gelehrter aus Oberland. Einst ging er hinab nach Handan.
Da fiel er unter die Räuber in der Gegend der Wasserdünen (Ou Scha). Die Räuber
verlangten, was er in seinem Sacke eingepackt. Er gab es ihnen. Sie verlangten
seine Kleidung und sein Gepäck. Er gab es ihnen. Niu Küo ging zu Fuße weiter.
Da sprachen die Räuber untereinander: »Das muß ein Mann sein, dessen Würdigkeit
auf der ganzen Welt bekannt ist. Nun haben wir ihn so schwer beschimpft, daß er
uns sicher bei dem Fürsten einer Großmacht verklagen wird. Der Fürst wird
dann die ganze Macht seines Staates aufbieten, um uns auszurotten, und wir
werden dann sicher nicht mit dem Leben davonkommen. Da ist es besser, wir laufen
ihm nach und töten ihn, um seine Spur zu vertilgen.« Darauf liefen sie ihm
miteinander nach. Dreißig Li weit hatten sie zu gehen, da holten sie ihn ein
und brachten ihn um. Dies geschah, obwohl sie wußten, daß er ein weiser Mann
war78. Mong
Ben79 wollte einst über den Gelben Fluß setzen und drängte sich aus der Reihe
der Fahrgäste vor. Da wurden die Fährleute zornig und schlugen ihn mit dem
Ruder über den Kopf. Da er weg sah, merkten sie nicht, daß es Mong Ben war.
Mitten auf dem Fluß sah Mong Ben sie mit stieren Augen an, so daß ihr Haar
sich sträubte, ihre Augen hervorquollen und ihr Bart gerade stand. Die Leute
auf dem Schiffe stoben alle vor Angst auseinander und stürzten sich ins Wasser.
Wenn die Fährleute gewußt hätten, daß es Mong Ben war, hätten sie nicht
gewagt, ihm gerade ins Gesicht zu sehen und niemand hätte gewagt, vor ihm ins
Schiff zu steigen, geschweige denn ihn zu beschimpfen. Dies geschah also, weil
sie nicht wußten, daß Mong Ben ein tapferer Held war. Ob die Leute einen
kennen, oder ob die Leute einen nicht kennen, beides ist kein sicheres Mittel
zur Rettung. Höchstens ein mildes, freundliches Betragen kommt der Sache nahe.
Aber auch das gewährt noch keine absolute Sicherheit; denn wenn man mit
Menschen zu tun hat, die ein mildes, freundliches Betragen nicht zu würdigen
wissen, dann hilft auch ein mildes, freundliches Betragen nichts. Der
Marschall Huang von Sung80 besaß eine kostbare Perle. Als er wegen eines
Vergehens das Land verlassen mußte, sandte der König jemand, der nach dem
Verbleib der Perle fragen sollte. Er sprach: »Ich habe sie in den Teich
geworfen.« Darauf trocknete man den Teich aus, um sie zu suchen. Man fand die
Perle zwar nicht, aber die Fische kamen alle dabei um. Das erläutert, wie Glück
und Unglück fortzeugend wirken. Dschou
Sin handelte übel in Schang, und das daraus entspringende Unglück erfüllte
die ganze Welt. Was half da ein mildes, freundliches Betragen? Dschang
I war äußerst höflich. An allen Türen und Toren, Vorhängen und Behängen,
und wo immer Leute anwesend waren, ging er mit kleinen, ehrerbietigen Schritten
vorüber. Selbst gegen Fuhrknechte, Mägde und kleine Knaben war er zuvorkommend,
um seine Person zu sichern. Aber dennoch erreichte er nicht die Grenze seines
Lebens. Er starb an einem inneren Fieber. Dan
Bau hatte sich geheimem Zauber zugewandt, er hatte sich von der Welt und ihrem
Schmutz abgewandt, nährte sich nicht mehr von den Früchten des Feldes und
kleidete sich nicht mehr in Baumwollkleider, er weilte in Bergen, Wäldern,
Felsen und Höhlen, um sein Leben völlig zu machen. Aber ehe er seines Alters
Grenze erreichte, fraß ihn ein Tiger81. Meister
Kung ruhte auf seinen Wanderungen einmal aus. Da lief ihm sein Pferd weg und fraß
von dem Korn eines Bauern. Der Bauer fing das Pferd ein. Dsï Gung bat, hingehen
zu dürfen, um ihm zuzureden. Er bat den Bauern höflich und bescheiden um Rückgabe
des Pferdes, aber dieser hörte nicht auf ihn. Da war ein grober Mensch, der
erst seit kurzem dem Meister Kung als Jünger nachfolgte. Der sprach: »Darf ich
hin und ihm zureden?« Darauf sprach er zu dem Bauer: »Pflügt Ihr denn nicht
alles Land vom Ostmeer bis zum Westmeer? Wie soll es denn da mein Pferd machen,
nicht von Eurem Korn zu fressen82?« Das
freute den Bauer sehr, und er sagte zu ihm und sprach: »Du hast auch alles so
geschickt gesagt, nicht wie der da soeben.« Darauf band er das Pferd los und
gab es ihm. Daß
eine so sinnlose Rede dennoch Erfolg hatte, das zeigt, daß äußerer Erfolg
sich nicht mit Sicherheit bestimmen läßt. Der Edle handelt von sich aus. Er
achtet die andern, obwohl er darum noch nicht not
wendig von den andern geachtet wird. Er liebt die andern, obwohl er darum
noch nicht notwendig von den andern geliebt wird. Andere zu achten und zu lieben
steht bei uns selbst. Von andern geliebt und geachtet zu werden, steht bei den
andern. Der Edle sorgt unter allen Umständen für das, was bei ihm steht, nicht
für das, was bei andern steht. Wer auf sich selbst beruht,
trifft immer das Rechte. [Chinesische
Philosophie: Chunqiu - Frühling und Herbst des Lü Bu We. Asiatische
Philosophie - Indien und China, S. 23834(vgl. Chunqiu, S. 200 ff.)]
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canandanann 04-03-06
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